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Wenn der Magen knurrt – Fasten & Hungern sprichwörtlich

Woher kommt das Wort Fasten? Und warum nagen wir am Hungertuch? Hier kommen aktuell zur Fastenzeit interessante Erkenntnisse aus der Sprachforschung.


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Irmingard Dexheimer

Diplom-Ökotrophologin (Ernährungs­wissenschaftlerin)
19. Februar 2018
Bild: (c) w.r.wagner / pixelio.de

Karneval Lebewohl!

Das Wort "fasten" ist jetzt wieder in aller Munde. Es leitet sich vom mittelhochdeutschen "vasten" ab, doch der ursprüngliche Sinn war ein anderer. Die gotische Bezeichnung dafür, "fastan", bedeutete "festhalten, beobachten und bewahren". Die ostgotische Kirche verstand darunter, an den Geboten der Enthaltsamkeit festzuhalten. In diesem Sinne breitete sich der Begriff im 5. Jahrhundert aus und hielt Einzug in die Umgangssprache. Irgendwann verschmolz alles im Begriff "Fasten".

Fasten heißt laut Duden, für eine bestimmte Zeit wenig oder gar nichts zu essen. Der freiwillige Verzicht kann sich auch auf Alkohol, Zigaretten, das Autofahren oder Fernsehen beziehen. "Gut genug! Sieben Wochen ohne falschen Ehrgeiz" lautet das diesjährige Motto der Fastenaktion der Evangelischen Kirche.

Zu Karneval sagen die Narren dem Fleisch Lebewohl – so die Übersetzung des lateinischen "Carne vale".

 

Vor leeren Schüsseln sitzen

Wer hungrig ist, für den besitzen Vorräte jeder Art große Anziehungskraft. Besonders der Kühl- und Vorratsschrank erscheinen sensationell attraktiv. Charmant und ironisch sagen die Franzosen dazu: "Danser devant le buffet", sprich: vor dem (leeren) Küchenschrank tanzen. Das deutsche Pendant bildet die Redensart "vor leeren Schüsseln sitzen". Wer die Schüssel leer findet, erhält keinen Anteil, für ihn ist nichts mehr übrig. Wer dagegen aus zwei Schüsseln zugleich isst, hat von zwei Seiten Vorteile. Essen alle aus einer Schüssel, erfahren sie das gleiche Schicksal, halten sie zusammen und haben die gleichen Meinungen und Ziele.

 

Hungrig wie ein Bär

Um ein starkes Hungergefühl zu charakterisieren, gibt es eine Vielzahl von Vergleichen aus der Tierwelt: Hunger haben wie ein Löwe, ein Bär oder Wolf, der ja bekanntlich im Märchen der Gebrüder Grimm die Großmutter verschlungen hat. Der Hunger treibt ihn aus dem Bett! Er hat Hunger für zehn oder Hunger bis unter die Arme, so lauten weitere Sprichwörter. Besonders beliebt ist der Spruch: Hunger ist der beste Koch! Die Redewendung findet sich bereits in Freidanks "Bescheidenheit" im 13. Jahrhundert.

 

Am Hungertuch nagen

Wen dieses Schicksal trifft, darbt, hungert und lebt ärmlich. Dieses Wortbild geht auf den mittelalterlichen Brauch zurück, in der Fastenzeit den Altar mit einem Tuch zu verhüllen. Später wurde das Tuch zum Synonym für Fasten und Buße. Das Volk nannte es Hungertuch, weil es am Aschermittwoch den Beginn der Fastenzeit anzeigte.

Im 16. Jahrhundert kam die Redewendung auf, "am Hungertuch flicken oder nähen". Bereits bei Hans Sachs, dem großen Nürnberger Dichter des 16. Jahrhunderts, findet sich die heutige Form "am Hungertuch nagen".




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