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Warum wir mögen, was wir essen – Vorbilder, Erfahrungen und Kultur (Teil 2)

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Geschmacksbildung ist mehr als nur Genetik. Wie der Mensch zu seinem Ernährungsstil kommt, wird von zahlreichen Faktoren beeinflusst.


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Tabea Dorendorf

Master of Science (Ernährungswissenschaftlerin)
7. August 2017



Lernen durch Vorbilder

Nach der Geschmacksprägung durch die Muttermilch im Säuglingsalter folgt ein lebenslanger Lernprozess, bei dem sich die individuellen Vorlieben herausbilden. Ganz entscheidend ist dabei das Vorbild der Eltern. Kinder orientieren sich sehr daran, was die Eltern mögen oder nicht mögen. Als Eltern sollte man jedoch nicht verzweifeln, wenn Kinder trotz aller Bemühungen bestimmte Lebensmittel kategorisch ablehnen. Oft wird aus einer Ablehnung von einem Tag auf den anderen eine Vorliebe. Und: Je häufiger ein Lebensmittel angeboten wird, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass es eines Tages doch gemocht wird.

Neben den Eltern spielen auch die Altersgenossen als Vorbilder eine große Rolle. Besonders ausgeprägt ist dieser Effekt im Jugendalter. Was Mitglieder der "Clique" essen und welche Einstellungen sie mit ihrem Essverhalten zum Ausdruck bringen, spielt in der Teenie- und Jugendzeit eine Hauptrolle bei der Wahl der Speisen.

 

Erfahrungen und Einstellungen

Auch die äußeren Umstände, unter denen Lebensmittel eingenommen werden, tragen zur Herausbildung von Vorlieben und Abneigungen bei. Im Kindesalter gehört dazu beispielsweise die Atmosphäre am Familientisch. Bekommt ein Kind bei der Mahlzeit einen heftigen Streit mit, kann möglicherweise eine Abneigung gegenüber Nahrungsmitteln ausgelöst werden, die in dieser Situation gegessen wurden. Lebensmittel, die mit einem sehr schönen Erlebnis verbunden werden, werden dagegen oft ein Leben lang gemocht.

Je älter man wird, desto größer ist auch der Einfluss rationeller Überlegungen bei der Lebensmittelauswahl. So werden bestimmte Sachen gegessen, weil sie gesund sind und nicht in erster Linie wegen des Geschmacks. Auch die Entscheidung, aus ethischen Gründen kein Fleisch mehr zu essen, fällt darunter.

 

Kultur

Jeder Mensch wird in seinen geschmacklichen Vorlieben von den kulturellen Rahmenbedingungen beeinflusst. Dazu gehört auch das Wertesystem, das eine Gesellschaft prägt. Ist es gesellschaftlich erstrebenswert, eher dick oder eher dünn zu sein? Bedeutung bei der Vermittlung dieser Werte haben die Medien. Gerade in "Umbruchzeiten" wie der Pubertät tragen Fernsehen und Internet enorm zur Prägung des Essverhaltens bei.




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