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Dicke Bohnen – ein Gemüse mit Geschichte

Als eine der ältesten heimischen Kulturpflanzen war das Image dieser Bohne zuletzt etwas angestaubt. Doch nicht nur wegen ihrer Inhaltsstoffe deutet sich ein Comeback an. Besonders köstlich schmecken die jungen, zarten Kerne.


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Irmingard Dexheimer

Diplom-Ökotrophologin (Ernährungswissenschaftlerin)
10. Oktober 2016
Bild: (c) contrail / clipdealer.com

Lustiger Name – Erfurter Puffbohnen

Sie alle gehören zur Pflanzenfamilie der Hülsenfrüchte, doch ihre Anbaugeschichte unterscheidet sich erheblich: Während Stangen-, Busch- und Feuerbohnen erst um 1500 aus Amerika zu uns kamen, war die Gattung der Ackerbohnen (dem Urahn der "Dicken Bohne") hierzulande seit Jahrtausenden bekannt. Wegen ihres hohen Eiweiß- und Stärkegehalts war die Bohne traditionell eines der wichtigsten Nahrungsmittel. Und genau deshalb laufen heute Forschungen, um z. B. Sojaeiweiß zu ersetzen.

Als Spielart der kleinkörnigen Ackerbohnen tauchten im Mittelalter erstmals die großsamigen dicken Bohnen auf, die auch Puffbohnen heißen. Der ungewöhnliche Name leitet sich von "ausgepufft" ab, was groß bedeutet. Seit Jahrhunderten erfreuen sich die Puffbohnen in Erfurt besonderer Beliebtheit. So sehr, dass die Erfurter eine plüschene Puffbohne mit lustigem Gesicht zum Stadtmaskottchen erhoben und sich selbstironisch Erfurter Puffbohnen nennen.

 

Bohnen, die keine sind

Trotz ihres Namens zählen die Ackerbohnen nicht zu den Bohnen, sondern zu den Wicken. Sie haben einen kräftigen Stängel und wachsen bis zu einem Meter hoch. Die wohlriechenden Blüten sind weiß oder schwarzweiß. Aus ihnen entwickeln sich die großen Hülsen mit mehreren Samen.

Dicke Bohnen vertragen leichten Frost, aber keinen staunassen Boden. Ihr Anbau erfolgt ausschließlich im Freiland. In Deutschland ist das Rheinland die einzige Region, in der sie in nennenswerten Mengen angebaut werden. International sind vor allem Italien, Spanien, Frankreich, Türkei und Marokko hierfür bekannt.

 

In der Küche

Um an die Bohnenkerne zu gelangen, müssen die ungenießbaren Hülsen entfernt werden. Jung besitzen die Kerne eine zarte weiche Außenhaut und lassen sich auch ungeschält kochen. Bei reiferen Bohnenkernen muss dagegen die harte Schale in einem weiteren Arbeitsschritt vor dem Kochen entfernt werden. Die Mühe lohnt sich aber! – Wer es eilig hat, greift auf Tiefkühlware oder Konserven zurück oder nimmt getrocknete. Diese allerdings vorher sechs bis acht Stunden einweichen, dann abspülen. Gekocht werden sollten die Kerne immer.

Dicke Bohnen schmecken in Suppen, Eintopfgerichten oder als Püree. Mit Speck sind sie in Westfalen und im Rheinland ein beliebtes Gericht. Wer es weniger deftig mag, bereitet sich aus den Bohnen sowie Tomaten, Rucola und Olivenöl-Zitronensaft-Dressing einen frischen Salat zu.




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