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Gewicht und Gene – Wie viel Einfluss haben Erbfaktoren?

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Früher als Ausrede belächelt, ist es heute wissenschaftlich nachgewiesen: Manche Menschen verwerten Essen besser als andere. Diese müssen sich aber nicht zwangsläufig mit Übergewicht abfinden.


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Irmingard Dexheimer

Diplom-Ökotrophologin (Ernährungswissenschaftlerin)
26. September 2016



Umwelt- kontra Erbfaktoren

Ein riesiges Nahrungsangebot und immer weniger Bewegung gelten allgemein als die Faktoren, die zu Übergewicht führen. Doch fast jeder kennt sie: Menschen, die viel essen, sich wenig bewegen und dennoch kaum zunehmen!

Die Wissenschaft ist sich heute weitgehend einig: ohne diese Umweltbedingungen kann Übergewicht kaum entstehen. Doch ob jemand tatsächlich übergewichtig wird, hängt stark vom Erbgut ab. Fachleute schätzen, dass die Erblichkeit des Körpergewichts 50 bis 70 Prozent beträgt. Selbst bei einer Diät entscheiden genetische Faktoren mit, wie viel wir abnehmen.

 

Genetisch bedingtes Übergewicht?

Welches Gewicht wir auf die Waage bringen, wird wahrscheinlich von mehreren hundert Erbanlagen beeinflusst. Ihre Erforschung hat in größerem Umfang erst vor rund zwanzig Jahren begonnen. Heute kennt man eine Handvoll Gen-Mutationen, die Übergewicht verursachen. Menschen z. B. mit einer Veränderung am sogenannten Melanocortin-4-Rezeptor können Sättigungssignale nicht ausreichend wahrnehmen. Davon betroffene Frauen sind etwa 30 Kilogramm schwerer als ihre Familienangehörigen ohne diese genetische Veränderung. Bei Männern beträgt der Unterschied etwa 15 Kilogramm.

Erbanlagen entscheiden auch, wie effizient der Stoffwechsel arbeitet: Den guten Nahrungsverwerter gibt es tatsächlich. Er geht mit jeder Kalorie besonders sparsam um und speichert nicht genutzte Energie im Körper statt sie als Wärme abzugeben. Bei schlechten Nahrungsverwertern verpuffen so dagegen täglich zwischen 300 bis 400 Kilokalorien.

 

Tipps, die allen helfen

Die genetische Veranlagung bedeutet keineswegs, dass man sich mit Übergewicht abfinden muss. Ob sie tatsächlich zur Geltung kommt, hängt meist vom eigenen Lebensstil ab. Dies hilft unabhängig von den Ausgangsbedingungen:

  • Achten Sie auf einen energiearmen Speiseplan mit viel Ballaststoffen, Vitaminen und Mineralstoffen. Denn unsere Speisen enthalten heute mehr Energie (vor allem Zucker und gesättigte Fettsäuren) als früher und als notwendig.
  • Kurbeln Sie durch viel Bewegung die Verbrennung an.
  • Wandeln Sie durch Kraft(ausdauer)training "überschüssige" Energie in Muskeln um. Dadurch verbrennen Sie dauerhaft mehr Energie – sogar im Schlaf.
  • Nie vergessen: Radikalkuren sind meist kontraproduktiv. Es helfen mäßige, aber dauerhafte Veränderungen der Essgewohnheiten. Schon geringfügige Gewichtsveränderungen (z. B. um fünf Prozent) senken das Risiko für metabolische Folgeerkrankungen.
  • Verbote sind selten von Dauer. Kleinere Portionen helfen dagegen sehr.




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