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Genuss durch Verzicht

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Im Schnitt verzichtet jeder vierte Deutsche auf Lebensmittel, die er nach eigenen Angaben nicht verträgt. Entsprechend nimmt der Verkauf solcher Lebensmittel zu, die ohne bestimmte Inhaltsstoffe auskommen. Laut Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) leiden jedoch beispielsweise bis zu 80 Prozent der Käufer laktosefreier Lebensmittel nicht unter Laktose-Unverträglichkeit.


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Lisa Mann

Master of Science (Ernährungswissenschaftlerin)
27. Februar 2017



"Frei von ..." im Trend

Hier kommen Nahrungsmittel ins Spiel, die frei von Laktose, Gluten, Fruktose oder Zucker sind. Welche Gründe bewegen Gesunde dazu, solche Produkte zu erwerben? Ein Grund ist das Gefühl, sich etwas Gutes zu tun. "Frei von" suggeriert Natürlichkeit, also die gesunde Wahl. Andere hoffen, durch den Verzicht auf Gluten, Zucker oder Laktose abzunehmen. Es können aber auch Neugierde auf die unbekannten Produkte oder Experimentierfreude dahinter stehen.

Psychologen liefern eine weitere mögliche Begründung: Sie sind der Meinung, dass der Verzicht eine moralische Überlegenheit gegenüber all jenen erzeugt, die normal essen. Denn wer nicht verzichtet, der wird später krank werden und damit sich und sein Umfeld belasten – so die Ansicht vieler "Frei von"-Käufer.

 

Wirkung auf Betroffene und Gesunde

Für gesunde Käufer birgt der Trend ggf. die Gefahr von Mangelzuständen. Auch eine erhöhte Aufnahme von Zusatzstoffen ist wahrscheinlich, denn die "Frei von"-Produkte kommen oft nicht ohne zugesetzten Zucker, Fett und Bindemittel aus.

Zusätzlich ergibt sich für tatsächlich Betroffene ein finanzielles Problem, denn durch die erhöhte Nachfrage nach "Frei von"-Produkten steigen deren Preise. Wer wirklich auf solche Lebensmittel angewiesen ist, muss tief in den Geldbeutel greifen.

Schlussendlich geht der Verzicht auf Lebensmittel zu Lasten unserer natürlichen Nahrungsvielfalt. Hinterfragen Sie die Versprechen der "Frei von"-Lebensmittel kritisch. Zudem sollten Sie diese erst nach gesicherter ärztlicher Diagnose kaufen.




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