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Die Rohkostbewegung ist nicht neu

Der theoretische Unterbau der modernen Rohkostbewegung fußt auf der traditionellen – doch es gibt einen deutlichen Unterschied. Reine Rohkost-Ernährung soll jetzt nicht mehr wie früher nur zu therapeutischen Zwecken dienen, sondern dauerhaft praktiziert werden.


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Irmingard Dexheimer

Diplom-Ökotrophologin (Ernährungs­wissenschaftlerin)
28. März 2016
Bild: (c) kvkirillov / clipdealer.com

Der Satz des Pythagoras ...

... über das rechtwinklige Dreieck ist fast jedem Schulkind geläufig. Doch dass der berühmte Gelehrte auch eingefleischter Rohköstler war, wissen nur wenige. Der griechische Mathematiker und Philosoph empfahl ausschließlich ungekochte, vegetarische Nahrung zu sich zu nehmen. Seiner Meinung nach führte dies zu körperlicher Gesundheit und einem scharfen Geist. Mit dieser Lehre konnte er sich bei seinen Zeitgenossen nicht nachhaltig durchsetzen – ebenso wenig wie die späteren großen Gelehrten Galen und Paracelsus.

 

Romantik & Rohkost

Mit der Hinwendung zur Natur in der Romantik-Epoche rückte die Rohkost wieder in das Interesse von Ärzten, die sie zur Therapie von Krankheiten und zur Erhaltung der Gesundheit einsetzten. Parallel dazu gründeten sich vegetarische Vereinigungen, die diese Entwicklung stützten. Im 19. Jahrhundert erregten zudem spektakuläre Heilungen Aufsehen, die der Rohkost zugeschrieben wurden.

 

Vorreiter Bircher-Benner

Als einer der wichtigsten Vertreter der Rohkostbewegung gilt der Schweizer Arzt Dr. Maximilian Bircher-Benner (1867-1936), dem wir das beliebte gleichnamige Müsli verdanken.

Bircher-Benner verstand rohes Essen nicht als Kost für alle, sondern wendete sie als Therapie an, wobei er Rohkost ausschließlich in individuellen Mengen verordnete.

 

Anfang der 1920er & 1930er Jahre

Nach den Wirren des Ersten Weltkriegs fand die Rohkost-Therapie Bircher-Benners neue Beachtung. Neben Bircher-Benner waren auch andere Ärzte am Aufschwung der sogenannten traditionellen Rohkostbewegung beteiligt. Sie erzielten bei verschiedenen Erkrankungen gute Therapieerfolge, doch sie empfahlen reine Rohkost nie als Dauerlösung.

 

Die 1990er Jahre bis heute

Letzter Schrei: Rohvegane Kost oder Rawfood. Sie beinhaltet keinerlei tierische Lebensmittel, während alles andere ausschließlich ungekocht auf den Tisch kommt. Daneben gibt es aber auch Rohkost-Lebensweisen mit Fleisch und sogar Insekten – wie die sogenannte Instinctotherapie. Milch ist hierbei verboten, bei der Rohkost nach Waerland oder Walker dagegen erlaubt.

Fazit: Die vielen Ausprägungen lassen keine einheitliche ernährungsphysiologische Bewertung zu. Wer sich dauerhaft von Rohkost ernähren will, fährt gut damit, sich vorher detailliert zu informieren, um gesundheitliche Risiken auszuschließen.




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