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Kleine Kulturgeschichte der Kartoffel

Ein Sinnbild der deutschen Küche ist sicherlich die Kartoffel. Damit sie in Deutschland Fuß fassen konnte, bedurfte es zunächst königlicher Unterstützung.


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Anneke Schülein

Master of Science (Haushalts­wissenschaftlerin)
16. November 2015
Bild: (c) valzann / clipdealer.com

Herkunft: Anden

Schon lange vor der Eroberung Südamerikas durch die Spanier im 16. Jahrhundert bauten die dort lebenden Völker Kartoffeln an. Viele religiöse Feste der Inkas, die bereits 240 Kartoffelsorten kannten, fielen zusammen mit Pflanz- und Erntezeiten der wertvollen Knollen. Die Ureinwohner Südamerikas hatten den Anbau über tausende von Jahren perfektioniert. Es gab viele ertragreiche Sorten, die in Höhen bis zu 4000 Metern erfolgreich angebaut wurden und es bis heute werden.

 

Zunächst als Zierpflanze

Die Spanier brachten die hier bis dato unbekannten Pflanzen mit einem Umweg über die Kanarischen Inseln im Laufe des 16. Jahrhunderts nach Europa. Hier verbreiteten sie sich zögerlich. Einige Pflanzenfreunde zogen sich im Garten einzelne Exemplare. Nachdem die Blätter und reifen Beeren zunächst als ungenießbar eingestuft wurden, betrachtete man nur die hübschen Blüten als nützlich.

Schließlich kam jemand auf die Idee, die Knollen zu garen. Darum ranken sich zahlreiche, schwer nachprüfbare Geschichten. Nichtsdestotrotz markierten diese den Beginn des tatsächlichen Feldzuges der Kartoffel in Europa. Eine der Verbreitungslegenden besagt, dass es Friedrich dem Großen (1712-86) sehr am Herzen lag, die Kartoffel als Nahrungsmittel für seine Untertanen zu etablieren. Also legte er kurzerhand Felder an, die er von Soldaten bewachen ließ.

 

Gestern wie heute

So wurde die Kartoffel auch in vielen Gegenden Europas zum weit verbreiteten Grundnahrungsmittel. In einigen Ländern wurde der Speiseplan so sehr auf die Kartoffel ausgerichtet, dass es zu dramatischen Situationen kam: Infolge schlechter Ernten und durch den aus Amerika eingeschleppten Kartoffelkäfer, dem die in Monokulturen angebauten Pflanzen wenig entgegenzusetzen hatten, kam es z. B. in Irland zwischen 1845 und 1852 zu schlimmen Hungersnöten.

Heute hat die Vielfalt der Kartoffelsorten nachgelassen. Dabei lohnt es sich sehr, gerade alte Sorten zu probieren. "Bamberger Hörnchen", "Ackersegen" & Co. sollten nicht in Vergessenheit geraten. Diese bieten eine reiche Fülle an verschiedenen Geschmäckern.




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